so dies und das und auch jenes

OSB Platten als Fußboden

26. März 2012

Uns stellte sich die Frage, welchen Bodenbelag wir für unser 60qm großes kombiniertes Büro mit Bibliothek nehmen sollten. Der alte geklebte Industrieboden sah nicht mehr schön aus und außerdem will man ja auch nicht auf dem Dreck der Vorbesitzer leben.
Holz sollte es schon sein, Klick-Parkett schied aber aufgrund der Größe des Raumes und der doch relativ kleinen Abmessungen der Paneele schnell aus. Außerdem beginnt der qm Preis für Parkett, das uns zugesagt hätte, bei 30-40 EUR, was einer Summe von mindestens 1800 EUR für den ganzen Raum entspricht. Das war uns einfach zu viel Geld für ein Büro.
Der Boden sollte strapazierfähig sein, da doch relativ schwere Büromöbel darauf gestellt werden müssen. Zusätzlich sollten sich kleinere Macken, wie Kratzer oder Flecken, schnell ausbessern lassen.
Zufällig sind wir dann mal in München Pasing aus der S-Bahn gestiegen, man muss dazu sagen, Pasing ist gerade eine Großbaustelle, und haben dort die verlegten OSB Platten an den Wänden und dem Boden gesehen. Täglich trampeln Tausende von Leuten darauf herum, die Platten sind Wind und Wetter ausgesetzt und sahen trotzdem noch relativ heile aus.
Warum also keine OSB Platten als Fußboden nehmen?
In dem Holzfachmarkt Holz Baumüller in der Nähe von Augsburg ließen wir uns dann beraten.
Der sehr hilfsbereite Mitarbeiter dort meinte „Da nehmt ihr geschliffene OSB Platten, verklebt die, lasst die zweimal mit einem speziellen Hartwachsöl ein, schleift die abstehenden Fasern weg, lasst die Platten dann noch mal ein und macht das ganze dann so lange, bis es für euch glatt genug ist“.
Und genau das haben wir dann auch gemacht.
Ende Februar wurden 40 Stück 15mm Starke OSB Platten angeliefert, jede 250cm x 62cm. Dazu dann noch weiße Sockelleisten und 4 Kanister Hartwachsöl.
Zuerst haben wir den alten Industriefußboden mit einem speziellen Reiniger eingesprüht und abgesaugt. Dieser sollte als Tritt- und Kälteschutz auf dem Estrich kleben bleiben. Richtig sauber wurde er natürlich nicht mehr, aber das bessere Gefühl, nicht auf dem ganzen Dreck der Vorbesitzer rumzulaufen, stellte sich ein.
Anschließend ging es ans Verlegen der ersten Platten. Zusätzlich zum Fußboden legten wir noch ein Fließ unter die Platten. Das wäre wahrscheinlich nicht notwendig gewesen, aber schaden kann es auch nicht.
Anders als Klickparkett haben OSB Platten nur Nut und Feder und müssen verklebt werden. Hierfür haben wir speziellen Fugenleim einer bekannten Firma verwendet. Dieser verklebt die Fuge nicht nur, sondern sorgt auch für einen gewissen Aufquellschutz und verhindert das Eindringen von Wasser in die Fuge.
Damit die Fugen möglichst dicht werden, muss die jeweilige Platte mit Holzlatten und Keilen eingespannt werden, bis der Leim etwas abgebunden hat. Aus diesem Grund macht es auch Sinn, mehrere Reihen parallel zu bearbeiten und nicht immer eine von vorne bis hinten durch.
Herausquellenden Leim sollte man nach ca. 5-10 Minuten mit einem kleinen Plastikspachtel entfernen und mit einem feuchten Lappen darüber wischen.
Trotz aller Vorsicht und Einspannen der Platten bleibt es nicht aus, dass die Fugen nicht 100% zu sind. Hier hat sich das Einarbeiten von Sägemehl mit etwas Leim bewährt. Die Lücke wird geschlossen und die gesamte Oberfläche sieht deutlich besser aus.
Fertigungsbedingte kleinere Unebenheiten sollte man nach dem Verlegen abschleifen. Hierzu bietet sich 120er oder 240er Schmiergel an. Auch Dreck, Streifen oder kleinere Kratzer sollte man jetzt, vor dem Ölen ausbessern. Nachträglich ist das nur mit sehr viel Aufwand möglich.
Nachdem der Boden verlegt war, einige Ecken, wie die Heizung oder der Treppenabsatz dauerten natürlich am längsten, muss der Boden gründlich abgesaugt und vom Staub und Sägemehl befreit werden.
Als nächstes war das Einölen dran. Mit einer kurzflorigen Malerrolle und einer Verlängerung ging es dann ans Werk. Das Öl wurde in eine kleine Wanne gekippt und mit der Rolle dann gleichmäßig auf dem Boden verteilt. Hierbei sollte gut gelüftet werden, da das Öl zwar ein Naturprodukt ist, aber der feuchte Boden doch etwas riecht.
Erstaunlicher Weise war der erste Anstrich nach knapp zwei Stunden fertig. Man macht das ja zum ersten Mal und ist recht vorsichtig bei der Arbeit.
Das Ergebnis konnte sich schon mal sehen lassen. Nach dem Trocknen, was rund 12 Stunden dauert, haben wir den Boden ein zweites mal eingeölt. Diesmal waren wir schon nach einer Stunde fertig.
Nachdem der Boden jetzt 24 Stunden getrocknet war, haben wir die ganzen 60qm mit der Hand und 240er Schmiergel abgeschliffen. Der Unterschied zwischen „nur geöltem“ Boden und „geöltem und abgeschliffenen“ Boden war riesig. Der bearbeitete Boden war deutlich glatter und glänzte mehr.
Wieder war es an der Zeit, den Boden sorgfältig vom Staub und den Schleifresten zu befreien. Neben dem Staubsauger bietet sich ein billiges schwarzes Handtuch an, mit dem man über den Boden fährt. Ist schon erstaunlich, was sich dort noch fängt, obwohl man zuvor zweimal den ganzen Boden abgesaugt hat.
Jetzt kommt die dritte Ölschicht dran. Nach dem Trocknen wird wieder geschliffen, dieses Mal aber nur noch ganz vorsichtig mit 400er Schmiergel, damit auch die letzten hochstehenden Fasern wegkommen.
Und ein letztes mal wird der Boden eingeölt.
Nachdem wieder alles 24 Stunden getrocknet ist, kann man den Boden betreten und natürlich auch so langsam das Zimmer einräumen.
Insgesamt hat das Material jetzt ziemlich genau 1000 EUR für die 60qm gekostet. Die 4 Eimer Hartwach-Öl haben für die vier Anstriche nicht ganz gereicht und wir mussten einen fünften 2,5 l Eimer mit Osmo Hartwach-Öl, seidenmatt, farblos nachkaufen.
Die Arbeitsstunden zählen wir mal lieber nicht, wobei das Verlegen die meiste Zeit in Anspruch genommen hat.
Lästig waren die Wartezeiten bis der Boden getrocknet ist. Eigentlich will man schon einräumen, aber auf dem halbtrockenen Boden sieht man natürlich die Abdrücke und dann kann man den ganzen Boden wieder abschleifen und noch einmal einlassen. Also dann lieber 12 Stunden länger warten.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ganz so doll glänzt der Boden im getrockneten Zustand im Vergleich zum nassen Zustand nicht mehr, aber dafür ist er ziemlich glatt und hat eine geschlossene Oberfläche.
Jetzt gehts ans Einräumen der Möbel und wenn das geschafft ist, kommt endlich „mein“ Kino im Keller dran.

Kategorie Dies und das, Haus und Garten

3 Kommentare

  1. florian köse schreibt:

    Hallo Ihr Heimwerker,

    ich danke für diese informative Beschreibung.
    Gerade jetzt stehe ich vor dem gleichen Problem mit einem Bodenbelag.
    Mich würde mal interessieren, wie dieser denn nun nach mehr als zwei Jahren Beanspruchung aussieht?

  2. udo schreibt:

    Hallo Florian,

    noch sind wir mit dem Fußboden zufrieden. An einer Stelle, dort wo ein Bürostuhl ungeschützt auf den Platten rumgerollt ist, ist Anfang des Jahres ein 2 EUR großes Stück abgeplatzt. Scheinbar hat sich hier ein Spahn aus den OSB Platten gelöst. Die Fläche habe ich angeschliffen und mit dem Öl wieder versiegelt. Man sieht es also nicht mehr.
    Laufspuren haben sich bis jetzt keine gebildet. Abdrücke von Stühlen und Leitern konnten wir bis jetzt auch nicht feststellen.

    Gruß
    Udo

  3. Carl schreibt:

    Wir haben seit über 15 Jahren schwimmend verlegte OSB Platten im Haus meiner Eltern unter ordentlicher Beanspruchung. Sie wurden damals geschliffen und lackiert. Bis heute hält der Boden wirklich gut. Stellenweise sieht man nun die Stöße, aber der Lack hält ohne Probleme und es sind keine Matten stellen entstanden. Selbst nach so langer Zeit nicht. Ich kann die Platten also uneingeschränkt als Finish empfehlen. Aktuelle saniere ich selbst gerade meine eigenes Wohnhaus. Auch hier werden wir OSB Platten als Endbelag wählen.

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