so dies und das und auch jenes

Computermuseum München

26. April 2008

Das Computermuseum München hatte heute Tag der offenen Tür.
Gezeigt wurden funktionsfähige Grosscomputer der Firmen Control Data Corporation, Cray Research Inc. sowie anderer Hersteller.
Es ist schon beeindruckend, wenn man alte Kartenlesegeräte sieht, die 1000 Lochkarten innerhalb weniger Sekunden auslesen und den Inhalt dann auf Plattenspeicher kopiert, die dann wiederum vom Computer eingelesen werden. Pro Karte konnten nur wenige Byte gespeichert werden. Die Karten wurden einzelnd per Druckluft vom Stapel „geblasen“ und zur Leseeinheit geführt. Hier wurden sie von einer starken Lampe durchleuchtet um die gestanzten Löcher erkennen zu können.
So etwas muss man einfach mal gesehen haben. Wenn schon nicht live, dann wenigstens auf der Homepage von Cray-Cyber.org, der Grossrechnerabteilung des Computermuseums.
Die Ausgabe erfolgte dann auf einem Drucker, der eine A4 Seite in ca. 2 Sekunden ausgedruckt hat.

Interessant war auch, dass die damaligen Bandlaufwerke bereits einen Cache hatten. In diesem Cache wurden zwar nicht die Daten abgelegt, aber das Band selber.
Warum das? Nun, die Bänder wogen mit Spule über einen Kilo. Es ist technisch kaum machbar, das Band zu beschleunigen und innerhalb weniger Millimeter wieder zu stoppen um Daten zu lesen oder zu schreiben.
Aus diesem Grund wurde nur ein kleiner Abschnitt am Schreib-/Lesekopf so schnell beschleunigt und abgebremst. Vor und hinter dem Schreib-/Lesekopf gab es Platz für das Magnetband. Dies lag dort in einer Schleife drin. Links und rechts, direkt unter den Spulen gab es weiteren Platz für jeweils eine grosse Magnetbandschleife.
Waren die Daten nicht auf dem Bandabschnitt, der direkt am Schreib-/Lesekopf war, so wurde der kleine Bereich ausserhalb eingelesen. Waren die Daten auch dort nicht, wurden die Bandabschnitte auf den grossen Magnetbandschleifen gelesen. Die Platten selber mussten dabei kaum abgebremst oder beschleunigt werden, da sich immer genügend Bandmaterial im kleinen oder grossen Cache befand, das schnell gelesen werden konnte.
Die Magnetbänder wurden berührungsfrei auf einem Luftkissen über die Rollen transportiert und auch über Luft abgebremst und beschleunigt.
Das schöne ist, man bekommt es nicht nur theoretisch erklärt, sondern kann die Geräte auch in Funktion erleben.

Eine Kuriosität sieht man direkt am Eingang. Eine 40″ Platte aus einem alten Plattenstapel. So ein Teil würde sich auch gut als Tisch oder Wanddeko machen.

Wen es mal reizt seine Berechnungen auf einer Cray durchführen zu lassen, der kann sich bei Cray-Cyber.org anmelden und bekommt dann Zugriff auf eine Cray Y-MP EL.
Wie uns heute gezeigt wurde, wird das sogar von einigen Leuten genutzt.

Alles in allem kann ich nur jedem einen Besuch im Computermuseum München empfehlen. Es wäre doch schade, wenn ein Teil der Computergeschichte einfach so verschwinden würde.
Der Eintritt war zumindest heute kostenlos. Allerdings freut man sich über eine Spende am Ausgang.

Kategorie Computer, Retro, Vintage Computer

1 Kommentar

  1. Nanni schreibt:

    Der Besuch im Computermuseum war sehr beeindruckend und ist jedem zu empfehlen. Wenn man einmal live sieht, welche Sprünge die Computertechnik gemacht hat, dann bin ich fast traurig, dass ich erst zu Zeiten des Internets für alle, aber immer noch vor DSL eingestiegen bin. Das muss eine faszinierende Zeit voller Forscher- und Tatendrang und Enthusiasmus gewesen sein. Alle paar Jahre war man in einer komplett veränderten Computerwelt. Die heutigen Kisten werden dieses Alter und dass sie dann noch laufen nie erreichen.

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